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Der Zeit ein Stück voraus - Februar 1990: Erste demokratische Wahlen in der DDR waren in Mildensee

Wahlkommission 1990
schwarz

VOR 15 JAHREN
Erste Wahl

Nach kirchlicher Wahlordnung wurde am
3. Februar 1990 in Mildensee erstmals ein Gemeinderat gewählt. In Pappkartons, die in Geschäften standen, konnten die Mildenseer vorschlagen, wer für die Wahl kandidieren sollte. Von den 57 Kandidaten stellten sich 27 zur Wahl. Der neue Gemeinderat hatte zwölf Mitglieder. DieWahlbeteiligung lag bei 55,4 Prozent. In den Gemeinderat wurden gewählt: Pastorin Eva-Maria Schneider (647 Stimmen), Hans Lingner (568), Claus Rönicke (504), Doris Günther (480), Siegfried Wentzkat (477), Rüdiger Treffkorn (444), Angelika Storz (427), Bernd Künne (411), Lore Mohs (373), Marlies Fiedler (361), Erika Vogel (341), Rudi Appis (315).
mildensee.de
Wahlkommission 1990 im Klubhaus
Noch vor der Volkskammerwahl im März 1990, weit vor dem Datum, als Dessauer an die Wahlurnen traten, um einen Oberbürgermeister zu wählen (Mai 1990), wurde in Mildensee ein Gemeinderat gewählt. Die ersten demokratischen Wahlen auf dem Gebiet der DDR waren in dem rund 3000-Seelen-Ort - einem Stadtteil von Dessau. Über die Zeit als erster Bürgermeister sprach Hans-Georg Lingner mit MZ-Redakteurin Annette Gens:

Storz Schneider Lingner

Pastorin Eva-Maria Schneider (mitte) und die beiden ehemaligen Ortsbürgermeister Angelika Storz und Hans Lingner
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mildensee.de

Schauen Sie heute auf diese Zeit mit Wehmut zurück?

Lingner: Auf keinen Fall. Anhand der Entwicklung wird mir immer klarer, wie wichtig die ersten Wah­len wirklich waren, wie sehr uns dieser Vorteil anderen Orten gegenüber genutzt hat. Wir waren schon aus den Startlöchern, als sich die anderen noch nicht einmal geordnet hatten. Unseren frühzeiti ­gen Plänen ist es zu verdanken, dass der Kanalbau vorangetrieben werden konnte. Innerhalb der Dorf erneuerung war es möglich, För­ dermittel für die Sanierung von Ge ­bäuden zu erhalten, die uns eigent­lich gar nicht zugestanden hätten. Dass Mildensee Fördergelder be­kam, ist dem Umstand zu verdanken, dass andere Gemeinden ihre Pläne noch nicht soweit vorange­trieben hatten. Das Gewerbegebiet entstand. Schon 1990 begannen die Planungen, 1992 erfolgte der erste Spatenstich.

 

Mit dem Landjägerhaus wurde ein denkmalgeschütztes Gebäude zur Bürgermeisterei ausgebaut ?

Lingner: Die Rekonstruktion des Landjägerhauses wurde aus städtischen Mitteln finanziert. Eine halbe Millionen Mark waren damals aus dem Dessauer Haushalt nach Mildensee geflossen. Angesichts der Schulden in Dessau wäre das heute undenkbar. Auch an vielen Häusern wurden bald Veränderungen sichtbar. Mildensee war seiner Zeit voraus. Das verdankt der Ort mutigen Mildenseern.

Würden Sie noch heute gerne Bürgermeister sein ?

Jeder hat seine Epoche.Ich hatte meine - eine Zeit, in der sich im Ort baulich viel geändert hat. Später war es AngelikaStorz zu verdanken, dass ein Heimatverein aufgebaut wurde, der sich so gut entwickelt hat.

Und heute ?

Lingner: Es wird immer schwieriger. Auch die Menschen haben sich. verändert, sie sind nicht mehr so aufgeschlossen wie damals. Heute bedaure ich, dass in Mildensee die Schule geschlossen werden soll. Die ist auch eine Heimstatt für Männerchor oder Gymnastikgruppe. Ein Stück gesellschaftliches Le­ben wird zermürbt, Mildensee hat darauf keinen Einfluss.

 

Quelle: MZ
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Letztes Update am 27.02.2005
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