Ende des 12. Jahrhunderts war alles Land links und rechts der Mulde im Besitz des Klosters Nienburg. Da die Verwaltung des Riesengebietes zu schwierig wurde, schuf der Abt den Kanonikerkonvent zu Mildensee, den "bannus mildensis" . Die Zeit der Gründung ist heute nicht mehr genau zu bestimmen, da die Urkunden darüber fehlen. Wahrscheinlich wird es in der Mitte des 12. Jahrhunderts gewesen sein. Da die Pröpste des Kanonikerstiftes St. Wigberti immer Magdeburger Domherren waren und später gleichzeitig Archidiakonen des erzbischöflichen Unterbezirkes Magdeburg, so muss der zuerst genannte Propst Ludolf von St. Wigberti zu Nienburg auch gleichzeitig der erste Propst von Mildensee gewesen sein. Das Kloster stattete den Konvent Mildensee reichlich aus. Er erhielt Patronatsrechte unter anderem über Pötnitz und Nichaitz (Oranienbaum). Die Konventsgebäude lagen an der Kirche und der Wirtschaftshof nach dem See zu. Der "Bannus mildensis" umfasste 20 Kirchen und lag zwischen dem Archidiakonat Kemberg und Köthen. 1198 wird die Pötnitzer Kirche auf Bitten des Abtes Heidenreich zur Pfarrkirche erhoben. |
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Das fürstliche Gut zu Pötnitz ging aus zwei adligen Gütern, dem Scholitzer, deren von Helldorf, und dem Pötnitzer, deren von Posem, hervor. Ursprünglich waren beide Nienburger Klosterbesitz. Fürst Johann Georg II. (1627 1693) kaufte für ein Butterbrot 1665 die beiden Güter, richtete in Scholitz eine Schäferei ein und in Pötnitz den übrigen Landwirtschaftsteil. Sein Sohn, Fürst Leopold I. gestaltete um 1700 das Gut Pötnitz vollkommen um. Er ließ das Wohnhaus mit einigen Wirtschaftsgebäuden einrichten. Nachdem der Fürst 1708 von seiner Mutter das Kleutscher Gut ererbt hatte, wurde dieses mit Pötnitz vereinigt. 1830 bestanden Pötnitz aus 33 Häusern und 327 Einwohnern, darunter acht Bauern. Kleutsch aus 38 Häusern und 310 Einwohnern und Scholitz aus 28 Häusern und 288 Einwohnern, darunter drei Bauern. Der Haupthof wurde zunächst Kleutsch, dort befanden sich das Amt und die Gutsbrauerei. Die Domäne Pötnitz zieht sich in einer Länge von etwa 6 km und einer durchschnittlichen Breite von 2-3 km am rechten Ufer der Mulde oberhalb ihrer Vereinigung zu der Elbe hin. Zur Zeit Leopolds I. waltete auf der Domäne Pötnitz der Amtmann Zimmermann. Dieser wurde aber bald landesflüchtig, es war ihm als Pächter nicht gutgegangen. Während der Regentschaft des Fürsten Franz führte bis 1777 Amtmann Laddey die Wirtschaft. 1777 übernahm Amtmann Christan Gebhard Nordmann als Pächter die Domäne. Nordmann war einer der progressivsten Landwirte seiner Zeit, der den Ort Pötnitz zu einem Schwerpunkt des landwirtschaftlichen Fortschritts und modernster Betriebsführung im vorindustriellen Deutschland machte. Der Sitz des Amtes befand sich bis 1783 in Kleutsch, danach in Pötnitz. In den 45 Jahren unter der Führung des Oberamtmann Nordmann entwickelte sich die Wirtschaft des Gutes zu einer Musterwirtschaft. Der wenig kultivierte Boden wurde durch Dung und starke Viehhaltung in den Kulturzustand gebracht, der die Erträge einer Musterwirtschaft hervorbringen konnte. Nordmann veränderte den Pflanzanbau der Äcker, u.a. durch Kleeanbau, Kartoffelanbau, Weizenanbau. Er veränderte die Schafhaltung, veredelte die Tiere und führte die Stallfütterung ein. Seine Erben übernahmen einen Schafbestand von 4000 Stück. Genauso verhielt sich Nordmann mit der Zucht des Rindes. Mit seinen Erfolgen war er in der Lage, seine Erzeugnisse auf dem großen Markt anzubieten. 1800 ließ er vier große Schafställe auf seiner Wirtschaft bauen. Es sind mächtige Fachwerkbaue und gehören zu den wenigen übernommenen Beispielen für die Einführung der Dachform mit Bohlenbinderkonstruktion. Diese, auf Philibert de L'Orme (1512/15 bis 1570) zurückgehende Konstruktion, fand 1783 bei der Pariser Kornhalle (Halle aux Blès) eine Wiederanwendung auf Grund der Zweckmäßigkeit der Konstruktionsform. Im September 1823 verstirbt Oberamtmann Nordmann. Nordmanns Erben setzten die Pachtung noch bis Ablauf des Vertrages 1832 fort. In dieser Zwischenzeit finden wir in Verbindung mit der Domäne Pötnitz die Namen: 1828 Amtsverwalter Vogel und 1830 Amtsrat Thorspeken. 1832 übernahm am 1. Juli der Amtsinspektor Friedrich Morgenstern die Pachtung und wurde in der üblichen Weise zum Oberamtmann ernannt. Morgenstern verhalf der Gutsbrauerei zu Ansehen und braute schon 1833 ein vorzügliches Lagerbier nach Erlanger Art. Aus der Pachtausschreibung erfahren wir näheres über den Umfang der Wirtschaft. Sie umfasste 1297 Morgen Acker, 448 Morgen Wiesen, 312 Morgen eigene Hutungen und Koppelhutungsrechte Vorhanden waren 97 Stck. Rindvieh und 1800 Schafe. Pferde wurden anscheinend gesondert verkauft. Brauerei und Brennerei wurden betrieben. Morgenstern starb nach einigen Jahren. Administratoren im Namen der Erben wurden nunmehr der Amtmann Leopold Heinrich Preß und nach ihm F. Siebigk. 1834 wurde noch eine Kartoffelsirupfabrik eingerichtet, deren Erzeugnisse auch über die Landesgrenze hinaus Absatz fanden. Nach Ablauf der sechsjährigen Pacht wurde die Fabrik aufgelöst und die Einrichtung verkauft. Nachfolgender Pächter Oberamtmann Eduard Witting, der die in Pötnitz besonders gefährliche Zeit des Jahres 1848 durchmachen musste, verstarb am 12. Mai 1849. Nach der Agrarreform von 1856 wurden 334 Morgen Land für Kleinpachtzwecke abgegeben. Die Wirtschaft verfügte bis zur Auseinandersetzung 1871 über durchschnittlich 1400 1500 vha nutzbares Acker und Wiesenland, das infolge der gleichzeitigen Separation auf 1200 vha zurückging. |
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1884 gab Amtsrat Friedrich Büchting die Pachtung an Alfred Brumme aus Bernburg ab. Dieser trat 1894 vorzeitig zurück. In den letzten Tagen des Jahres 1870 und in den ersten Wochen 1871 waren Pötnitz, Scholitz und Dellnau wegen der dort herrschenden Viehseuche (Rinderpest) militärisch abgesperrt. Bei der Neuverpachtung wurde das Höchstangebot des Administrators Haupt aus Breitenfelde mit 20000 Mark nicht angenommen. 1908 ging des Gut an Oberamtmann Richard Jordan und danach, nach Ablösung von Kleutsch, an Paul Fippel über. 1919 blieb Pötnitz, während das Vorwerk Kleutsch an den Staat kam, herzoglicher Privatbesitz, wurde jedoch durch Landabgabe aufgeteilt und das Restgut, 900 Morgen, als Obstgut selbst bewirtschaftet. Es war das Obstgut, das durch Anpflanzung vieler Obstbäume eine andere Form von Gewinn bringen sollte. Bereits 1849 waren an landarme Kossäten 260 Morgen abgegeben worden. Diesmal wurden vor allem viele Kleinbauern mit Land versehen. Ein Teil wurde auch für Kleinsiedlungen verkauft. 1927 wurde das Restgut aufgegeben, verpachtet und nach einigen Jahren verkauft. Durch die einzelnen Landabgaben gingen viele Wiesen verloren, wodurch die Viehwirtschaft ungünstig beeinflusst wurde. Nach 1945 wurde der Rest der LPG Mildensee zugeordnet. |
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