 |
Nach der Übernahme der Pachtung Kleutsch besaß Nordmann 1100 Morgen Acker, 250 Morgen Wiese, 101 Rinder und 1800 Schafe. - Acker und Wiese waren in einem schlechten Zustand.
In den 45 Jahren unter Nordmann entwickelte sich die Wirtschaft des Gutes Pötnitz-Kleutsch zu einer Musterdomäne. Nordmann erkannte mit sicherem Blick die Richtung, in die ihn die natürlichen Bedingungen seiner Pachtung wiesen. Nach ältester Tradition war die Domäne Pötnitz vorwiegend auf Milchwirtschaft ausgerichtet und lieferte ihre Produkte an den nahen Markt Dessau und seine Hofhaltung ab. Die saftigen Weiden der Muldaue entsprachen den Elbwiesen von Wörlitz. Mit dem Wörlitzer Gut bestand während der Administrationszeit eine Art Arbeitsteilung bei der Rinder- und Pferdezucht. Ferner konnten in die damals weit ausgedehnten Eichenbestände Schweine zur "Fallmastung" getrieben werden. |
 |
|
Nordmanns Schafzucht - von räudigen Tieren zu besten Merinos
Nordmann widmete seine Aufmerksamkeit zunächst, entsprechend des allgemeinen Trends zu schnellem Profit, der Schafzucht.
Kurz nach seinem Pachtantritt stellte man auf Pötnitz und Kleutsch das Melken der Mutterschafe ein. Dies war eine erste Vorbedingung für eine gesunde und kräftige Nachzucht. Aber das übernommene Vieh von 1.800 Stück war es nicht wert, dass man all zu viel Arbeit daran verschwendete. Nordmann merzte es nach und nach aus.
Unterdessen war er bemüht, seine Schäferei auf eine ausreichende Futtergrundlage zu stellen. Ohne radikale Maßnahmen und bedeutende Kapitalinvestitionen war auch bei Pötnitz kein Durchbruch zu erzielen. Zu seinen Wiesenheu, Klee und Esparsette, die er in bestimmten Umfang anbaute, kaufte der Pötnitzer Amtmann Futter aus dem Wörlitzer Winkel hinzu, und als die Wörlitzer Administration nichts mehr abgab, pachtete er große Wiesenflächen in Sachsen. Seine Wiesen ließ er durch Drainagen und künstlichen Dünger (Holzasche) verbessern, versetzte sie mit Klee und Luzerne und erreichte damit die eigentliche Grundlage für eine planmäßig aufzubauende Schafzucht.
1815 erwarb er zusätzlich Wiesen im Wittenberger Raum, den sogenannten "Wittenberger Durchstich".
Außer seinen Pachtgeldern von Pötnitz und Kleutsch, die sich während der Pachtzeit von 3.000 auf 4.600 Talern erhöhten, entrichtete Nordmann jährlich 2.600 Taler Wiesenpacht, eine Kapitalanlage, die sich rentierte.
Erst nach der Schaffung dieser Grundlagen widmete er sich erneut der Schafzucht auf ganz kleiner Ebene.
1780 kaufte er auf einer Versteigerung in Schönwelka/Sa. 150 räudige spanische Mutterschafe zu einem Spottpreis von je 18 Groschen. Nordmann ließ die Schafe nachts heimlich über die Grenze treiben und in Pötnitz mit Tabaklauge desinfizieren. Da die anhaltischen Gesetze nicht so streng waren, vermochte er die Tiere bald wieder mit gutem Gewinn zu verkaufen. Später konnte er sich leisten, reine spanische Böcke von den sächsischen Schäfereien Stolpen und Lohmen zu erwerben und in Pötnitz einzustellen. Auch das musste heimlich geschehen, weil die Ausfuhr aus Sachsen streng verboten war. In den letzten 13 bis 14 Jahren kaufte Nordmann keinen fremden Bock mehr. Stattdessen war er selbst in der Lage, Schafböcke abzugeben.
|
|
 |
|
|
Seit 1804 betrieb er damit einen lebhaften Handel. Er war der erste Pächter in Anhalt-Dessau, der die spanischen Merinos in den großen Pötnitzer Schafställen mit Bohlendach heimisch machte. Die Schafställe wurden etwa 1800 errichtet. Der Stall ist ca. 12 m hoch, 10 m breit und 3, 5 m lang. Es ist ein zweigeschossiger Fachwerkbau mit sichtbarer Ziegelausfachung, verputztem Giebel und biberschwanzbedecktem Spitzhochdach in Bohlenkonstruktion. Berühmtheit erlangten die bald darauf eingeführten Pötnitzer Auktionen für Schafe, Masthammel und Mastochsen. Die Auktionen der anhaltischen Stammschäfereien wurden von den berühmtesten Landwirten besucht und Böcke aus den dessauischen Hochzuchten wurden bis nach Polen, Kurland, Russland, Schweden, Böhmen und Ungarn verkauft. Nordmann erhielt einmal für 99 Schafe aus seiner Zucht eine Rekordsumme von 15.000 Talern. |
 |
|
Nordmanns Schafstall im heutigen Bauernweg |
|
Oberamtmann Nordmanns Böcke wurden nie unter 4 - 6 Louisdor (20 - 30 Taler) gehandelt. Selbst die Merzschafe brachten noch 3 - 4 Louisdor ein. Die Wolle seiner veredelten Schafe war von der feinsten Sorte und wurde zu Höchstpreisen gehandelt. Zu den jährlichen Auktionen drängten sich Käufer und Schaulustige, die von weit her, sogar von Rügen, kamen. 1818 war der königlich-preußische Staatsrat Daniel Albrecht Thaer anwesend, der Nordmann sehr schätzte. In diesem Hochkonjunkturjahr für landwirtschaftliche Produkte soll die Versteigerung binnen zwei Tagen 16.563 Taler erbracht haben. Nordmann erfand 1811 eine neue Art der Futterraufen, eine hängende Raufe, von ihm selbst Schweberaufe genannt. Diese wurden zur Futterzeit herab gelassen und nachher wieder hoch gezogen. Die Erfindung beschränkte sich aber nicht allein auf Raumersparnis, sondern sie verhinderte auch Futterverstreuung und Verunreinigung der Wolle durch das Futter. 1820 erwarb er die Schäferei Süptitz bei Torgau mit ca. 900 Schafen, die er bis auf 2.000 Stück erhöhen konnte. Um den Schafdünger vorteilhaft verwenden zu können, kaufte er 1822 für 5.000 Taler die bei Süptitz gelegenen Weinberge. Sein Schafbestand betrug bei seinem Tode im Jahre 1823 4.000 veredelte Tiere. Die Schafzucht begründete Nordmanns Ruhm bei seinen Zeitgenossen. |
|
Rinderzucht -Vom Beginn bis zur berühmten Pötnitzer Herde den "Wundertieren ferner Zonen" Mit der Zucht einer leistungsfähigen Rinderrasse tat er einen Schritt weit in die Zukunft hinein. Die meisten Tiere der einheimischen Landrasse, die Nordmann übernehmen musste, starben oder wurden verkauft. Um eine neue Zucht aufbauen zu können, ging er gründlich und methodisch vor. Da mit Schweizer Kühen keine Erfolge erzielt werden konnten, kaufte er schwarzbuntes Rind der westfriesischen Marsche auf. In dem er die anpassungsfähige nordwestdeutsch-holländische Rasse wählte, blieben ihm Misserfolge erspart. In den 90iger Jahren reiste er dreimal nach Holländisch Friesland und brachte einen Bullen und 22 Kühe mit. Die aufstrebende Zucht erlitt durch Kriegsjahre und Seuchen, z.B. Milzbrand, schwere Rückschläge. Sie stand zeitweilig vor dem Zusammenbruch, fast die ganze Herde war ausgestorben. Die Erfolge aus der ersten Zucht ließen den zielbewussten Pötnitzer Pächter aber nicht verzagen. Er wagte einen Neuanfang. 1813 war er noch zwei Mal im Heimatgebiet des westfriesischen Rindes und kaufte nochmals insgesamt einen Bullen und 26 Kühe. Diese bildeten dann den Stamm der berühmten Pötnitzer Herde, die als "Wundertiere ferner Zonen" bezeichnet wurde. Sogar die ostpreußischen Domänen interessierten sich für die Pötnitzer Zuchttiere. Nordmanns Kühe waren ausschließlich westfriesische Rinder und erzielten auf dem Markt Höchstpreise. Die Sensation waren die Pötnitzer Mastochsen, die man in Berlin für Geld zeigte und in den Zeitungen beschrieb. Wahrscheinlich lag ihr Lebendgewicht beträchtlich über dem für die Zeit geschätzten Durchschnitt. Das beste Exemplar der Sorte ging für angeblich 475 Taler an einen Schlächter nach Leipzig. Der größte Ochse, der nach Berlin verkauft wurde, brachte 300 Taler. 1784 erhielt Nordmann von der herzoglich-dessauischen Kammer die Erlaubnis, die 1710 eingestellte Brennerei mit Eigenmitteln wieder in Betrieb nehmen zu können. Für ihn war der Kornschnaps nur ein Nebenprodukt, das sich natürlich gut verkaufen ließ. Vielmehr ging es ihm um die Gewinnung der nährstoffreichen Rückstände, die der Rinder und Schweinemast dienen sollten. Diese verfütterte er zusätzlich neben Grünfutter und Heu. Während die Pötnitzer Rinder und Pferde im Sommer auf den Weiden gelassen und im Stall nur nachgefüttert wurden, blieben die Schweine nur im Stall, da im Laufe der Zeit das Betreten der fürstlichen Wälder verboten wurde. |
|
Ackerbau - Vom wenig kultivierten Boden zum guten "Pötnizer Weizen" Der wenig kultivierte Boden wurde durch Dung und starker Viehhaltung in den Kulturzustand gebracht, der die Erträge einer Musterwirtschaft hervorbringen konnte. Der relativ hohe Dunganfall in seiner Wirtschaft ermöglichte Nordmann, den Ackerbau zu intensivieren. Außerdem kaufte er Stallmist aus der nahe gelegenen Stadt hinzu, verbesserte die leichten Böden mit Teichschlamm und führte dem Boden Asche und Kalk zu. Die Beschaffenheit des Pötnitzer Bodens erlaubte ihm die Einführung der Drei-Felder-Wirtschaft in zwei verschiedenen Formen: Roggen - Hafer - Brache auf den trockenen Höhenböden und Weizen - Gerste - Brache auf den schweren Auenböden Trockene Wiesen ließ er für zwei oder drei Jahre zu Äckern umbrechen und über den Kleebau zur Wiesenkultur zurückführen. Der Anteil der reinen Brache schrumpfte zusammen. Unter diesen Voraussetzungen gelang es Nordmann, die Weizenkultur auf Kosten der Gerste auszudehnen und den guten Ruf des Pötnitzer Weizens zu begründen. Außerdem hatte er großen Anteil bei der Einführung der Kartoffel in unserer Region. Sie fand allerdings keine amtliche Anerkennung. Bei Pachtwechsel wurden mit Kartoffeln bestellte Äcker als Brachland ausgewiesen. 1828 wurde die Kartoffel erstmals in einem Inventar der Domäne Pötnitz-Kleutsch erwähnt und somit allgemein anerkannt. |
|
|
|
|
|
|
|