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Schnelle Hilfe aus Thüringen
Interview mit Branddirektor Rüdiger Kösel

Etwa 1000 Feuerwehrleute der Freiwilligen Wehren aus Thüringen waren in den vergangenen Wochen in Mildensee im Einsatz. Sie halfen im Kampf gegen das Hochwasser und sind nun dabei, die Deiche schnell von Sandsäcken zu befreien. Mit Branddirektor Rüdiger Kösel, Referatsleiter für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungswesen im Landesverwaltungsamt Thüringen, sprach MZ-Redakteur Henrik Klemm.

Mildensee ist voll des Lobes über die Hilfe aus Thüringen. Wie kam es zu den Einsätzen?
Kösel: Mildensee hat mit Angelika Storz eine sehr aktive Ortsbürgermeisterin, die schnell spürte, dass die Gefahr gravierend wird. Auf der Suche nach Hilfe hat sie mit mir telefoniert. Der Freistaat Thüringen erhielt dann das für alle Einsätze außerhalb unseres Territoriums erforderliche Ersuchen der Zuständigen vom Land Sachsen-Anhalt. So kam es zum Einsatz von ungefähr 1 000 Kameraden unserer Freiwilligen Feuerwehren im Dessauer Ortsteil Mildensee.
Wie funktionierte die Zusammenarbeit in den Tagen der Katastrophe bis zum jetzigen Zeitpunkt?
Kösel: Wir hatten und haben eine sehr gute Zusammenarbeit mit dem Innenministerium SachsenAnhalts. Und die Kontakte nach Mildensee sind hervorragend. Im übrigen bin ich mir sicher, dass Sachsen-Anhalt, wenn wir von der Flutwelle betroffen gewesen wären, ebenso - wie auch alle anderen Bundesländer - geholfen hätte.
Sie haben die Einsätze koordiniert?
Kösel: Mir wurde die Einsatzleitung und die Koordinierung der gesamten Kräfte Thüringens von unserem Innenministerium übertragen. Hier laufen auch die Sachspenden und Hilfsangebote von Thüringer Unternehmen und Bürgern zusammen. Auf diese Weise konnten wir beispielsweise Müllfahrzeuge und Kanalpressfahrzeuge nach Waldersee schicken.
Nun sind die Thüringer Feuerwehrleute immer noch in Mildensee. Welche Aufgaben erfüllen die Kameraden gegenwänig?
Kösel: Ich denke, am Freitag oder Sonnabend sind wir mit dem Abtransport der Sandsäcke von den Deichen in Mildensee fertig. Es geht schneller als gedacht. Wir hatten am Anfang der Woche immerhin 320 Kameraden vor Ort. Jetzt, nachdem die Kräfte zwischenzeitlich getauscht wurden, sind noch 230 in Mildensee. Das sind alles Leute aus den Freiwilligen Feuerwehren Thüringens. Im Prinzip kommen sie aus fast allen Landkreisen. Sie sind mit ihren Löschfahrzeugen und so genannten Führungskraftwagen in Dessau. Über letztere halten wir die erforderlichen Verbindungen.
Warum ist es nötig, die Sandsäcke so rasch von den Deichen m bekommen?
Kösel: Nach etwa zwei Wochen müssen die runter sein, da sonst die Grasnarbe auf den Deichen völlig zerstört ist. Die Deiche werden außerdem durch das Gewicht der Säcke nach unten gedrückt, durch die eingesetzten Folien sterben die Pflanzen ab. Bleiben die Sandsäcke also länger liegen, dann ist der Deich nur noch ein Erdwall, der bald weggespült bzw. abgetragen ist.
Nun besteht ja keine unmittelbare Gefahr mehr. Warum helfen Sie trotzdem weiter?
Kösel: Wie gesagt, der Deichabbau ist genau so wichtig, wie es das Aufbringen der Sandsäcke gewesen ist. Wir haben die gesamte Zeit über unsere Kräfte sehr gezielt eingesetzt. Gezielt und konzentriert. Dadurch haben wir jetzt genug Kräfte, die freiwillig und von ihren Unternehmen freigestellt, das noch Nötige leisten können.
Was wird der Einsatz der Feuerwehren aus Thüringen dem Land Sachsen-Anhalt oder der Stadt Dessau kosten?
Kösel: Wir werden keine finanziellen Forderungen für unseren Einsatz stellen. Das haben wir vorgeschlagen und ist so vereinbart.
MZ

Feuerwehrvorm Landjägerhaus

Kameraden vom Katastrophenschutz Apolda (li.) Mobile Einsatzzentrale vorm Landjägerhaus (re.)

Erste Sitzung des Ortschaftsrats Mildensee nach dem Hochwasser
Räte werten Katastrophe mit dem Chef des Krisenstabes aus

Die erste Sitzung nach der Hochwasserkatastrophe nutzte der Mildenseer Ortschaftsrat für ein auswertendes Gespräch mit dem Leiter des Dessauer Krisenstabes Jürgen Kessing. „Wir möchten ein paar Dinge loswerden, die uns bewegen und die, so denken wir, wichtig sind für die ganze Stadt", begrüßte Ortsbürgermeisterin Angelika Storz den Bürgermeister.
Die technische Ausstattung der Ortschaftsräte für den Katastrophenfall sprachen die Mildenseer als Erstes an. Funkgerät, wieder aufladbare Lampen, Stative, Werkzeuge, Notstromaggregate wurden genannt. „Wir brauchen diese Dinge, um sofort funktionieren zu können." Auch regelmäßige Schulungen für die Deichbeauftragten, ein bis zweimal jährlich vor Ort, halten sie für wichtig. Gedanken haben sich die Mildenseer auch um die Organisation des städtischen Katastrophenstabes gemacht. „Alles zu zentralisieren, wie es jetzt überlegt wird, das funktioniert unserer Meinung nach nicht", meint Angelika Storz. „Wir brauchen viel mehr Handlungssicherheit und vor allem genau festgelegte Kompetenzen.“ Günstig wäre es auch, so Michael Bühnemann, im städtischen Krisenstab Verantwortliche für die Ortschaften zu bestimmen.
„Wir hatten zu wenig kompetente Leute", nennt Jürgen Kessing eine wichtige Erfahrung. Deshalb sieht auch er die Schulung, vor allem von Nachwuchskräften, als dringend notwendig an. Konform geht er mit den Mildenseern auch bezüglich der eingeforderten klaren Kompetenz. „Ergänzende Hilfe von außen ist gut und schön, aber das Zepter dürfen wir uns nicht aus der Hand nehmen lassen." Probleme hat es zeitweise mit der Sandsackbelieferung gegeben. „Wir sollten drei Stellen in der Stadt einrichten, damit die Wege nicht zu lang sind und die Koordination einfacher wird", schlagen die Mildenseer vor. Jürgen Kessing. gestand, sich zunächst in der benötigten Menge verschätzt zu haben. „Wir haben zuerst in tausender Mengen bestellt, dann in Millionen." Einige hunderttausend Säcke seien jetzt eingelagert.
Auch die Kinder, quasi als Investition in die Zukunft, sollten mit dem Hochwasserschutz und allem was dazu gehört, besser vertraut gemacht werden, sagen die Mildenseer und schlugen eine entsprechende ABM „Deich-Lehrpfad" oder ähnliches vor. "Dafür könnte man doch Projekttage der Schulen nutzen", so Bühnemann. Auch in diesem Punkt stimmte Jürgen Kessing voll und ganz zu. „Ein Lehrdeich wäre gut", überlegt er laut. „Mein Traum wäre ja außerdem ein Sandsack-Führerschein für jeden Bürger. Ab wann wird in den anderen Ortsteilen mit der Deichreparatur bzw. dem DIN-gerechten Ausbau begonnen?, fragte der Ortschaftsrat. Das Landesamt für Hochwasserschutz werde eine Prioritätenliste erarbeiten, informiert Kessing. Diese wird auf der Stadtratssitzung am 21. Oktober vorgestellt. In Vorbereitung dieser Sitzung wird Kessing noch einmal alle Ortschaftsräte zum Gespräch einladen. "Der Deichbau ist Ländersache, da kann ich am Land vorbei nicht agieren, aber wir werden das vehement einfordern und gemeinsam die Prioritätenliste abwägen", so der Bürgermeister, der versichert: „Da verbeiße ich mich wie ein Bullterier." Der Ortschaftsrat Mildensee hat Michael Bühnemann zum Katastrophenbeauftragten gewählt und sechs Mildenseer zu Deichbeauftragten bestimmt. Bühnemann wird ein Katastrophenkonzept für den Ort erarbeiten.

MZ

Aufräum-ABM in Mildensee

Zwei Tage waren die 30 ABM-Kräfte zur Beseitigung von Hochwasserschäden in Mildensee im Einsatz. Am 9. und 10. September, den ersten beiden Tagen ihrer Tätigkeit. Dann wurden sie nach Großkühnau abgezogen. Mildensees Ortsbürgermeisterin Angelika Storz erbost das. „Mich ärgert nicht die Tatsache, dass die Leute in Kühnau eingesetzt werden, sondern die Art und Weise, wie dies mit uns als Ortschaftsrat abgesprochen wurde. Nämlich gar nicht", erklärt Angelika Storz. „Auch wenn in Mildensee die Sandsäcke von den Freiwilligen Feuerwehren zum Großteil abgeräumt seien, heißt das nicht, dass es bei uns keine Hochwasserschäden gibt."
Vor allem die Zuwegung zu den Deichen habe stark gelitten, so der Ortschaftsrat. „Die Wege sind total ausgefahren und haben riesige Löcher, der Schotter ist weggespült", schildert Storz die Situation. Diese wieder in Ordnung zu bringen, hatte der Ortschaftsrat als eine Aufgabe für die ABM-Leute ausgewählt und organisatorisch bereits vorbereitet. Die Beräumung der restlichen Sandsäcke wäre eine weitere Aufgabe. Gekündigt wurde vom Träger der ABM, der Dessauer Arbeits- und Beschäftigungsgesellschaft (DABS), per Fax auch die Unterkunft für die ABM-Leute im ehemaligen LPG-Sozialgebäude. „Das heißt für mich, dass die Leute auch nicht wiederkommen", schlussfolgert Storz.
DABS-Geschäftsführer Peter Lindner verneint dies. "Wenn die Leute zurück kommen nach Mildensee, werden wir auch die Unterkunft wieder nutzen." Der Einsatz der ABM-Kräfte erfolge entsprechend der "prioritären Einordnung der Feuerwehr", erklärt er. „In Mildensee liegen momentan keine dringenden Arbeiten an, in Großkühnau aber noch die Säcke auf den Deichen." Der Geschäftsführer macht außerdem darauf aufmerksam, dass die ABM nicht nur für Mildensee konzipiert ist, "auch wenn das ursprünglich mal so angedacht war".

MZ

Mildenseer Kontakt nach Hessen

Schüler schildern Flut Erlebnisse
Petersberger Kinder sammeln 10.000 Euro

Einen Sandsack voller Briefe und Plakate mit Unterschriften schickt die Sekundarschule Mildensee heute an die Konrad-Adenauer Schule in Petersberg bei Fulda. Schüler, deren Eltern sowie Lehrer der Einrichtung bedanken sich damit für eine 10.000 Euro Spende für vom Hochwasser betroffene Schüler und wollen gleichzeitig erste Kontakte zu der Schule in Hessen ausbauen. Vor rund zwei Wochen waren die Petersberger Schülersprecher Florian Kellner und Sven Kaluzadas erste Mal in Dessau, nachdem sie sich entschieden hatten, hier einer Schule nach der Flut zu helfen. Zwar war die Mildenseer Einrichtung nicht überflutet, doch war der Ort tagelang vom Hochwasser bedroht, und es lernen hier viele Walderseer. Die Kinder und Jugendlichen aus beiden Dessauer Stadtteilen haben nun ihre Erlebnisse aus den Tagen des Hochwassers aufgeschrieben. Sie erklären damit den Petersbergern, die sie vor dem Hochwasser nicht kannten, wie dringend die Spende hier benötigt wird. Die Verteilung der finanziellen Hilfen übernimmt der Förderverein Sekundarschule Mildensee. Kinder, deren Familien vom Hochwasser betroffen sind, sind in diesem Jahr von Zahlungen für Klassenfahrten oder Theaterbesuche der Schüler, für Kopien und Exkursionen und anderen Kosten befreit. Auf das Konto des Vereins sind neben der Petersberger Spende bereits Gelder aus Dessauer Schulen und Erlöse aus Mildenseer Sammel und anderen Aktionen, wie einem Kuchenbasar von Schülern für Schüler, eingegangen.

MZ

 
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Mildensee 09.September 2002
Auch die Bürger von Mildensee wurden am 13. 08. 02 evakuiert. Doch viele folgten dieser Aufforderung nicht und es bildete sich ein eigener Krisenstab unter Leitung der Ortsbürgermeisterin A. Storz, M. Bühnemann und A. Peine. Als die Gefahr der Überflutung des Ortes am 14./15. 08. 02 am größten war, kam die Zusammenarbeit mit dem Katastrophenstab der Stadt Dessau nur schleppend zustande. Es fehlte an vielen Voraussetzungen, um der drohenden Flut der Mulde widerstehen zu können. Doch Mildenseer Unternehmer, ältere erfahrene Bürger und der gegründete Einsatzstab taten sich zusammen und kämpften gemeinsam mit den Bürgern, die trotz Evakuierung geblieben waren, gegen die drohenden Fluten. In dieser angespannten Situation kam professionelle Hilfe durch Freiwillige Feuerwehren und das Technische Hilfswerk. Die FFw aus Thüringen unter der Einsatzleitung von Fred Duske konnte den Mildenseer Krisenstab stark entlasten und die Organisation des Katastropheneinsatzes übernehmen. Es entstand eine enge, sogar freundschaftliche Zusammenarbeit in der Leitung. Diese strahlte auf die unmittelbaren Einsatzgebiete an den Deichen aus und zog immer mehr freiwillige Helfer aus allen Schichten der Bevölkerung an. Mit viel Anstrengungen und vor allem durch viel Glück konnte Mildensee gemeinsam vor einer Katastrophe geschützt werden.
Nach dem Abklingen der Gefahren durch Mulde und Eibe ergab sich eine neue Aufgabe. Die Deiche sind durch die Sandsäcke auf Dauer zu stark belastet und die Grasnarbe wird zerstört. Es müsste die gleiche Initiative zur Beräumung der Deiche entwickelt werden, wie zu deren Sicherung. Doch diese Aufgabe ist kaum wiederholbar. So versuchte A. Storz erneut die Verbindung nach Thüringen aufzunehmen. Sie schilderte unser Problem und am Samstag, 7. 09. 02 um 12.00 Uhr war Mildensee mit einer ersten Gruppe von 45 Feuerwehr-Fahrzeugen mit 300 Freiwilligen zugeparkt. Der Einsatzleiter der FFw im Katastrophenstab Mildensee Fred Duske hat es geschafft, daß der thüringische Innenminister erneut die ihm unterstehenden FFw des Landes in zwei Gruppen für fünf Tage freistellt und nach Dessau schickt, um die Beräumung der Deiche in kürzester Zeit zu ermöglichen. Die erste Gruppe reiste am 10.09. wieder ab, um ihrer Berufstätigkeit wieder nachgehen zu können und wurde von einer gleich großen zweiten Gruppe abgelöst. Eine solche solidarische Hilfe ist nach unserer Ansicht einmalig. Wir Mildenseer Bürger bedanken uns herzlich bei den thüringer Kameraden der FFw für Ihren neuerlichen selbstlosen Einsatz. Mit diesem Beitrag soll Ihre Arbeit für Dessau öffentlich besonders gewürdigt werden. Die Notwendigkeit der schnellen Beräumung wurde sichtbar, da die Grasnarbe an den Deichen bereits einige Lücken aufweist. Aus eigener Kraft der Stadt Dessau wäre ein solcher Erfolg wohl kaum erreichbar, auch wenn 30 zusätzliche ABM geschaffen wurden, um hier tätig zu werden. Die außergewöhnlich hohe Belastung der Deiche zeigte viele Lücken auf, die es schnellsten zu schließen gilt, wenn nicht erneut große Gefahren heraufbeschworen werden sollen. Die Deichkontrollen wurden durch Mildenseer Bürger gemeinsam mit ihren fachkompetenten Helfern durchgeführt und Mängel protokolliert.
Im Zuge der Beräumung der Deichanlagen zeigte sich bereits, daß es nicht nur gravierende Risse gibt, sondern an einem besonderen Belastungspunkt der Deich auf einer Länge von 2 m völlig weggeschwämmt wurde und damit auch in Mildensee ein Deich offen ist.
Nun ist die schnelle Handlung der Verantwortlichen gefragt, damit nicht erneut die großzügige Hilfe der FFw aus Thüringen bei einer wiederholt drohenden Gefahr abgefordert werden muß!

A.Köhler - Mildenseer Heimatfreunde e.V.

Umweltausschuss zur Hochwasserauswertung

Wie viel Zeit kann die Stadt Dessau dem Landesbetrieb für Hochwasserschutz (LHW) für die Sanierung der Deiche lassen? Diese Frage spielte in der Beratung des Umweltausschusses des Stadtrates immer wieder eine Rolle. Während die Mildenseer Ortsbürgermeisterin Angelika Storz keine Zeitverzögerung mehr zulassen wollte, warb Oberbürgermeister Hans-Georg Otto dafür, dem Landesbetrieb schon eine ordentliche Bearbeitungszeit einzuräumen. Konkret geht es um Ende November. Bis dahin soll ein Realisierungsplan für die zeitnahe Umsetzung aller Reparatur-, Sanierungs- und Neubaumaßnahmen für Deiche vorgelegt werden. So jedenfalls sieht es Beschlussvorschlag Nr. 2 des Sonderstadtrates vor. Angelika Storz befand, dass sich Dessau damit in eine passive Wartehaltung begibt. Wiederholt forderte sie deshalb, dass die Stadt ein eigenes Deich-Sanierungsprogramm auflegen sollte. Mit diesem könnte die Stadt Forderungen beim Landesbetrieb aufmachen und auch beim Land und Bund. Weil sie vom Landesbetrieb enttäuscht und so frustriert über dessen Arbeitsweise ist, ging Storz mit ihren Vorschlägen noch einen Schritt weiter: Dessau sollte die Mittel für den Deichbau selbst beim entsprechenden Ministerium in Berlin abfordern. „Wir müssen sehr unkonventionelle Wege gehen", erklärte sie. Dessau könne nicht anfangen, an anderem Eigentum zu bauen, entgegnete Otto. Für die Deiche sei das LHW zuständig. Dem habe er bereits mündlich die Forderungen der Stadt überbracht. Zwar sei er mit dem Entwicklungsstand auch nicht zufrieden, räumte Otto ein. Doch wer die Pläne für den DIN-gerechten Ausbau der Deiche schneller einfordern wolle, der sei nicht von dieser Welt. Allerdings sollten alle Parteien Einfluss auf ihre Landtagsabgeordneten nehmen, damit diese ein schnelleres Verwaltungsverfahren beschließen, wie etwa in Sachsen, riet Otto.Die Ausschussmitglieder stimmten einhellig der Beschlussvorlage zu.
MZ

Helfer-Fete
Mildenseer luden Feuerwehren aus Thüringen zur gemeinsamen Party ein

Ein wenig komisch war ihm schon zumute, das gibt Rüdiger Kösel zu. Als er Mildensee betrat, da fühlte er sich gleich irgendwie heimisch, obwohl er eigentlich noch nie hier gewesen ist. Doch Rüdiger Kösel ist jetzt Mildenseer. Als Herr aller Feuerwehren in Thüringen kommandierte er im August diesen Jahres von seinem Sitz in Weimar aus zahllose Einsätze seiner Männer. Der wichtigste davon fand in Dessau-Mildensee statt. Wie viel Feuerwehrleute genau damals im Vorort im Einsatz waren, weiß Kösel nicht genau. Wie viele von ihnen am vergangenen Mittwoch zur großen Dankeschön-Party nach Mildensee angereist waren, schon eher. „Insgesamt 33 thüringische Feuerwehren sind heute zu Gast", so Kösel. Die Mildenseer um ihre Ortsbürgermeisterin Angelika Storz hatten ins ehemalige „Obsession" geladen, das extra für dieses große „Dankeschön" revitalisiert wurde. In dem herrschte bis in die frühen Morgenstunden mehr als ausgelassene Stimmung, die Mildenseer feierten lange mit ihren Helfern. Bei einem Videorückblick standen vielen von ihnen die Tränen in den Augen. „Es ist schön und macht uns glücklich, dass wir es geschafft haben, diesen Ort gemeinsam zu halten", denkt Rüdiger Kösel. Die Kontakte, die er und seine Männer in den vergangenen Wochen nach Mildensee aufgebaut haben, die bleiben auch nach der Flut bestehen, ist sich Kösel sicher. „Da sind viele Freundschaften entstanden." Wie groß diese zu sein scheinen, zeigten einige Spendensammlungen von Feuerwehren für betroffene Einrichtungen in Dessau. „Erst helfen sie uns, dann spenden sie auch noch", war Angelika Storz gerührt. Sie brachte auf den Punkt, was viele im „Obsession" spürten: „Was verbindet Mildensee mit Thüringen? Viel, viel Herz."

MZFeier im ObsessionRüdiger Kösel (2.v.l.) mit seinen Männern

29.10.02 Sondersitzung des Stadtrates
Aufarbeitung der Flut liegt vor und Forderungen sind formuliert

Sondersitzung des StadtratesDie Einwohner von Waldersee und Mildensee haben Dessaus Stadtrat in die Pflicht genommen. „Wir müssen nerven mit unseren Forderungen, aus Nervosität und Angst, dass es wieder nachhaltig regnet", sagte Hermann Tlustek. Still und leise war es, als der Mann aus Waldersee im dicht gefüllten Ratssaal sprechen durfte. Emotional, aber ruhig. Gefasst, aber fordernd. „Wir wollen nicht als Narren angesehen werden", sagte Tlustek. Doch: Dessaus Deiche müssen geschlossen und repariert werden. Sofort. Auch wenn Tlustek relativierte. "Sofort heißt nicht sofort." Aber schnell. Zehn Wochen sind seit dem Hochwasser vergangen, das Waldersee überflutete. „Jetzt ist die Gefahr fast noch größer als im Sommer", sagte Ortsbürgermeister Lothar Ehm auf der Sondersitzung des Dessauer Stadtrates. „Wir wollen wieder ruhig hinter den Deichen leben und schlafen können." Steigende Pegel von Elbe und Mulde machen das fast unmöglich. „Wir laufen seit Dienstag wieder Wache auf den Deichen", bekannte Mildensees Bürgermeister Angelika Storz. „Wir haben große Sorgen, was im Winter und Frühjahr geschieht." Aufwändig. und intensiv hatten Verwaltung und Abgeordnete die Sondersitzung zum Hochwasser vorbereitet. Richtig war die Entscheidung, sich dafür diese Zeit zu nehmen. Das Ergebnis waren umfangreiche Vorlagen, die kritisch Bilanz ziehen und Forderungen formulieren, waren Dezernenten, die detailliert Rechenschaft ablegten. Wie Sozialdezernent Wolfgang Focke, der im Stadtrat ein Konzept präsentierte, wie die Spendengelder der Stadt verteilt werden sollen. Wie Baudezernent Karl Gröger, der aufrechnete, wie viele Anträge auf Hilfen schon bearbeitet sind. Die Bürger aus Waldersee registrierten dies sehr genau. „Wir müssen Druck machen", bekannte Jürgen von der Heydt, Stadtratsvorsteher und selbst vom Hochwasser betroffen. „Wir dürfen nicht ungeduldig werden", mahnte Bürgermeister Jürgen Kessing. „Wir sind nicht allein mit unseren Forderungen." Doch Kessing, in Dessau verantwortlich für den Katastrophenschutz, versprach auch: „Wir dürfen und werden nicht nachlassen, unsere Forderungen vorzutragen." Denn eines ist Ende Oktober klar: Die Schwachstellen in den Deichen", räumte Kessing ein, „sind noch nicht repariert." Vierzig davon sind verzeichnet. „Manches ist getan, vieles liegt noch vor uns", fand Otto Glathe von der CDU, der den Einsatz eines Hochwasserbeauftragten forderte, „der das verknüpft, was andere nicht schaffen, der verbindet, der überprüft". Die Forderung verhallte ohne Reaktion. Fraktionskollege Ehm mahnte. „Es reicht nicht aus, nur Briefe zu schreiben." Während der Flut und auch danach hätte in Dessau ein Satz gegolten: Eine Stadt hält zusammen. „Wir Walderseer wünschen, dass das so bleibt."
MZ

Mildenseer Forderungskatalog ist erarbeitet
Der
Ortschaftsrat Mildensee hat einen Forderungskatalog für die Hochwasserabwehr erarbeitet. Der Deich am Scholitzer See soll bis November repariert, ab 2003 neugebaut werden. Zugleich wird erwartet, dass die Löcher im Poetenwall gestopft werden und der Kirchwall aufgestockt wird. Vorgeschlagen wird der Bau eines Sicherheitswalles an der Esso-Tankstelle. Der soll helfen, falls der Verbansdeich ander A9, dessen Bruch ebenfalls noch beseitigt werden muss, wieder Schaden nimmt.

Böhmer verleiht Hochwassermedaille
Ministerpräsident Prof.Dr. Wolfgang Böhmer verlieh am Dienstag (5.11.02) erstmals die Hochwassermedaille des Landes. Insgesamt wurden 40 Frauen und Männer ausgezeichnet. Aus Mildensee war auch Michael Bühnemann dabei.

Festsaal im Palais am Fürstenwall in MagdeburgMichael Bühnemann erhält die Hochwassermedaille

Ortsbürgermeisterin Angelika Storz mit  Kindern der Mildenseer SpielbudeFirma ExxonMobil übergab 26000 Euro an Kindergarten Mildensee
Der strahlende Sonnenschein gestern Vormittag passte zum Anlass: Karl-Heinz Schult-Bornemann, Pressechef der Firma ExxonMobil, war aus Hamburg nach Dessau-Mildensee gekommen, um dem dortigen Kindergarten einen Scheck zu überreichen. Die Mitarbeiter des Konzerns hatten gesammelt für die Hochwassergebiete und bestimmt, dass das Geld für Kindergärten verwendet wird. „Wir hatten rund 20 Tankstellten in den Überflutungsgebieten", erzählt Bornemann im Landjägerhaus. „Alle haben Kindergärten vorgeschlagen, aber Harry Lange von der Esso-Station in Mildensee war besonders hartnäckig. Er hat uns das Wunder von Mildensee so eindringlich geschildert, dass wir schließlich nicht mehr nein sagen konnten, und was ich hier erlebe, bestätigt uns." Die Konzernleitung hatte die gesammelte Summe verdreifacht, so dass sowohl die Mildenseer "Spielbude" als auch ein Kindergarten in Eilenburg und Tschechien mit jeweils 26 170 Euro unterstützt werden. Mit der Auszahlung dieser Spendengelder findet das umfangreiche Hochwasser-Soforthilfe-Programm des Unternehmens seinen Abschluss. Mildensees Ortsbürgermeisterin Angelika Storz konnte es zunächst gar nicht glauben, dass ihr Kindergarten so großzügig unterstützt werden sollte. "Ich habe zur Kontrolle noch einmal zurück gerufen und die Nummer überprüft", erzählt sie. Inzwischen weiß sie, dass der Anruf der Esso-Geschäftsleitung echt war und freut sich unglaublich über diese Hilfe. „Auch wenn unser Kindergarten nicht unter Wasser stand, so hat er enorm gelitten." 2 000 Fluthelfer sind in der „Spielbude", die in diesen Wochen als Versorgungsstützpunkt diente, von früh bis abends versorgt wurden. Drei Gulaschkanonen standen im Garten. „Da ist natürlich alles zerfahren." Deshalb wird das Geld für die Wiederinstandsetzung der Außenanlagen und des Spielplatzes verwendet werden. Angelika Storz bedankte sich bei dieser Gelegenheit ausdrücklich beim Pächter der Esso-Tankstelle, Harry Lange, der mit seinem beherzten Handeln maßgeblich dazu beigetragen habe, dass Mildensee verteidigt werden konnte. "Ohne ihn hätten wir das nicht geschafft", stellt die Ortsbürgermeisterin heraus. Lange hatte während der Flut seine Tankstelle offen gelassen und die Transportfahrzeuge mit Benzin beliefert. Sollte der Kindergarten nicht alles Geld verbrauchen, darf der Ort den Rest für die Trockenlegung des Napoleonturmes verwenden. Der Turm stand wochenlang unter Wasser und hat dadurch erheblichen Schaden erlitten. Die Nässe ist hoch gestiegen und droht, die selbst tragende gewölbte Kuppel zu zerstören. „Das Gebäude muss dringend trocken gelegt werden, sonst erlebt es seinen 200. Geburtstag im Jahr 2009 nicht mehr", verdeutlicht Storz die Dringlichkeit: Die Schadenssumme wird auf 230 000 Euro geschätzt.
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Letztes Update am 08.03.2004
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