Mildensee 03/09 : Alte Turnhalle soll neuer Saal für den Vorort werden - Sportverein ist seit Januar Eigentümer der Halle und plant deren Ausbau zum Sport- und Freizeitzentrum, hohe Kosten sind zu schultern
Mildensee hat keine Turnhalle mehr. Ein Gebäude vielleicht, das so aussieht, aber sich eben nicht mehr so nennt, sondern Sport- und Freizeitzentrum Mildensee, darauf beharrt Christian Bühnemann. Er ist Vorsitzender des SV Mildensee 1915, eines Sportvereins mit rund 400 Mitgliedern, der sich vorgenommen hat, ein großes Projekt zu stemmen - den Umbau der reichlich maroden Turnhalle zu einem Zentrum, in dem nicht nur Sport getrieben werden soll, sondern der Gesangsverein ebenso proben kann wie die Freiwillige Feuerwehr sich treffen oder Privatleute feiern. Es gibt sonst keinen einzigen größeren Saal mehr in Mildensee, auch nicht in Kleutsch oder Sollnitz, den südlich gelegenen kleineren Nachbarorten. Seit Ende Januar ist der Sportverein Eigentümer der Turnhalle, die er zum Sport- und Freizeitzentrum ausbauen will. Mit der Stadt hat er einen Erbbaupachtvertrag geschlossen - und damit ganz erheblich Verantwortung übernommen. Nicht alle in der Stadtverwaltung seien von den Wünschen des Vereins begeistert gewesen. Unterstützung hätte man vor allem bei Elvira Burig und Petra Graf von der Stadtentwicklung gefunden. Der SV Mildensee nutzte die Halle bereits viele Jahre, als 2006 die benachbarte Schule geschlossen wurde und damit die Zukunft der Halle mehr als ungewiss wurde. Den Verein hätte es schwer getroffen, die meisten Mitglieder üben In-Door- Sportarten aus wie Tischtennis, Volleyball, Turnen oder Gymnastik. Ohne Halle wäre die Existenz des Vereins gefährdet gewesen. Auch wenn erst jetzt der Vertrag unterzeichnet wurde, der SV Mildensee betreibt die Halle schon seit 2006 weitgehend in eigener Regie, hat sie z.B. neu gemalert und vor allem ein Konzept für die künftige Nutzung aufgestellt. Um die überhaupt dauerhaft zu sichern, ist Geld in nicht unerheblichem Maße notwendig. Einen Teil steuerte die Stadt bei: die Trennung der Medien kostete 40 000 Euro, weitere 64 000 Euro sind zugesagt zur Wärmedämmung der Halle. Das wird aber nicht reichen. Das Gebäude hat erhebliche bauphysikalische Mängel und ist heruntergewirtschaftet. Auf 318 000 Euro beziffert Bühnemann die notwendigen Investitionen. Das Dach müsse gemacht, die Verglasung, der Sanitärtrakt komplett umgebaut werden. Bühnemann und sein Vorstandskollege Lothar Tietz, beide sind Ingenieure, haben die Berechnungen und Planungen selbst gemacht, das hätte der Verein sonst gar nicht bezahlen können. Doch die 318 000 Euro stehen im Raum. Bühnemann sieht gute Chancen, einen erheblichen Teil aus dem Leader-Programm zur Entwicklung des ländlichen Raums erhalten zu können. Der Verein wurde Mitglied der regionalen Leader- Arbeitsgruppe, in der Bühnemann zufolge die Idee des Sport- und Freizeitzentrums Mildensee auf Wohlwollen stieß. Der Antrag ist gestellt und ein weiterer geht an Lotto-Toto. Doch selbst wenn sich die Geldgeber als großzügig erweisen, müssen wir erhebliche Eigenleistungen aufbringen. Mit den Arbeiten am ersten Bauabschnitt soll noch in diesem Jahr begonnen werden; dabei wird man sich auf die Gebäudehülle konzentrieren. Ein Jahr später ist die Erneuerung der gesamten Haustechnik vorgesehen und der Umbau und die Sanierung der Räume.
In Mildensee laufen auch dieses Jahr wieder die traditionellen Veranstaltungen des Jahres:
am 25.04. fand die 2. Mildenseer Pflanzenbörse auf dem Grundstück des Landjägerhauses statt.
Gut besucht war auch wieder das Feuer in der Walpurgisnacht am 30.04. auf dem Mildenseer Anger. Am Pfingstsonntag, 31.05. wurde wieder das traditionelle Ringreiten auf dem Gelände des ehemaligen Bahnhofs in der Kapenstrasse durchgeführt. Bei relativ gutem Wetter war die Veranstaltung gut besucht.
Die 3. traditionelle Gartentour durch Mildensee und Kleutsch fand am 20.06. statt, bei der ca. 20 Gärten besichtigt wurden. Am Vormittag des gleichen Tages wurde auch wieder vom Ortschaftsrat ein Kinderfest im Landjägerhaus veranstaltet.

Bis November möchte der SV Mildensee den ersten Abschnitt, was Dach und Fassade, insbesondere die Wärmdämmung betrifft, an der ehemaligen Turnhalle erledigt haben. Anhand von Plänen wurde gezeigt, wie künftig auch andere Vereine die Sport- und Freizeithalle nutzen können.
Nach der Sanierung des 1916 erbauten Hauses Pötnitz 26 ist eine kleine Pension mit zwei Ferienwohnungen entstanden und die fällt mit ihrem strahlenden Terrakotta-Orange auch auf. Seit 1. Mai empfängt Sybille Lennicke hier Feriengäste. Selber wohnt sie mit ihrer Familie im historischen Hinterhaus, welches um 1200 entstand und zum Konvent des Klosters Nienburg gehörte. Sie haben lange überlegt, erzählt Sybille Lennicke, was sie damit machen, da sie das Haus nicht selber brauchen. Aber abreißen kam auch nicht in Frage, und so entstand die Idee, dort eine Pension einzurichten.
Während der zwei-jährigen Sanierungsarbeiten wurden Fußböden, Leitungen und Decken erneuert und das Dach dem Hinter-haus angepasst, aber auch so viel, wie möglich Altes erhalten. Türen, Fenster, Balken und der alte Heißluft-ofen wurden wieder aufgearbeitet. Zwei großzügige Ferienwohnungen (eine mit Aufbettung) stecken in dem alten neuen Haus. Eine kleine Terrasse bietet bis in die Abendstunden ein sonniges Plätzchen. Und wer mag, der kann nach einem Spaziergang durch den fast 4000 Quadratmeter großen Garten mit einem Sprung in den Scholitzer See den Urlaubstag krönen. Nun will Sybille Lennicke ihre Pension vom Tourismusverband zertifizieren lassen, dann gibt es auch ein Schild am Eingang.
Mildensee 07/09: Das Strandbad Adria erwartet nicht mehr nur Bade-gäste, sondern ab sofort auch Besucher, die in den Baumwipfeln des neu errichteten Waldseilgartens eine Klettertour unternehmen wollen. Der Pächter der Adria, Uwe Schlawig, wollte das Gelände attraktiver gestalten, und nicht nur auf Wasser und schönes Wetter setzen. Deshalb hat er sich drei Jahre lang bemüht um das
Waldseilgarten-Projekt, das mit EU-Mitteln aus dem Leader-Programm verwirklicht werden konnte. Und das Besu-chern nicht nur
verspricht, dass sie hier hoch hinaus können. Immerhin bis in zehn luftige Meter und immer doppelt gesichert. Sicherheit steht an oberster Stelle. Insgesamt 16 Leute hat Schlawig ausbilden lassen, sechs Trainer und zehn Sicherheitstrainer, zumeist nebenberuflich. Der Waldseilgarten befindet sich im Waldbad Adria (an der Autobahnabfahrt Dessau-Ost), rechts neben dem Eingangsbereich und ist von 15. März bis 31. Oktober täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Nicht nur Erwachsene, auch Kinder ab sieben Jahren (1,10 Meter Mindestkörperhöhe) können hier klettern. Die Preise (je nach Alter) staffeln sich von 6 Euro (Kinderkarte) bis 17 Euro (Erwachsene). Neun Parcours mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden locken zum Erkunden. Dafür wird jeder Kletterer mit Helm, Kombigurt, einer Seilrolle und zwei Karabinern ausgerüstet. Nach einer Einweisung hat jeder 2,5 Stunden Zeit, die Parcours auf eigene Faust zu erklettern. Trainer stehen zur Seite,
um Tipps zu geben und im Notfall eingreifen zu können. Willkommen sind nicht nur Familien und Einzelinteressenten, auch Gruppen, Vereine und Schulklassen (nach Vorabsprache). Weitere Informationen unter www.waldseilgarten-dessau.de.



